Verkehr AKTUELL – 3/2007



 Themen: 
  • Verkehrssicherheit: Junge Fahrer zeigen Größe
  • Welt-Verkehrssicherheitstag: 1000 Jugendliche sterben täglich
  • Autoverkäufe 2007 in der EU leicht rückläufig
 Mit freundlicher Unterstützung des ARCD, Auto- und Reiseclub Deutschland, www.arcd.de
Verkehrssicherheit: Junge Fahrer zeigen Größe  
Gemeinsam mit 120 jungen Autofahrern starteten Bundesverkehrsminister Wolfgang Tiefensee und der Präsident des Deutschen Verkehrssicherheitsrates (DVR), Professor Manfred Bandmann, auf einer Wochenendtagung in Berlin in die Europäische Woche der Verkehrssicherheit. Die jungen Teilnehmer testeten auf dem Übungsplatz ihr Fahrverhalten und berieten in Workshops über die speziellen Risiken ihrer Altersgruppe im Verkehr. Vor allem junge Fahrer sind, wie Tiefensee sagte, überdurchschnittlich oft in Unfälle mit Todesfolge verwickelt.

Dass im Straßenverkehr zu wenig Rücksicht genommen wird, beklagen laut einer Studie für das Ministerium rund 80 Prozent aller Verkehrsteilnehmer. Besonders die jungen männlichen Führerschein-Neulinge sind bei über 40 Prozent der Befragten als Problemgruppe im Visier. Als Gründe aus ihrer Sicht nannten die jungen Leute zu schnelles Fahren, Fahren unter Zeitdruck, falsche Einschätzung der Fahrgeschwindigkeit, Spaß an der Geschwindigkeit und Alkohol am Steuer.
Es sei für manche junge Fahrer eine Herausforderung, bestimmte Strecken möglichst schnell zurückzulegen und damit vor Freunden zu prahlen, Kurven auszutesten und Wettfahrten als Mutproben zu bestehen. Manche wollten Minderwertigkeitsgefühle ausgleichen nach dem Motto „Dickes Auto – dünne Hose“.
 Die Tagungsteilnehmer gaben dem Verkehrsminister als Ergebnis ihrer Diskussionen eine Auswahl ihrer Vorschläge und Wünsche für mehr Verkehrssicherheit mit auf den Weg. Darunter sind: verpflichtende Auffrischungsseminare nach einem Jahr Führerscheinbesitz, mehr Kontrollen im Straßenverkehr, ein alternativer Strafenkatalog mit der Verpflichtung zu sozialen Diensten nach Verkehrsvergehen und Bonussysteme für positives Verhalten im Verkehr, wie zum Beispiel Gratis-Hauptuntersuchungen.
Weitere Vorschläge: eine erfahrungsabhängige Leistungsbegrenzung für das Fahrzeug in den Anfängerjahren wie beim Motorrad, eine 0,0-Promillegrenze für alle Verkehrsteilnehmer, die Wiedereinführung des Anfängerschildes am Auto und ein durchgängiges Konzept zur Verkehrserziehung in Kindergarten und Schule. Die jungen Fahrer und Fahrerinnen wünschen sich attraktive, auf ihre Zielgruppe abgestimmte Aktionen mit Prominenten als „Hingucker“. Auch drastische Darstellungen über schlimme Folgen von Unfällen könnten auf Raser und Drängler abschreckend wirken. Zudem sollten mehr Aktionen als bisher in den Rundfunksendern und damit im Autoradio laufen. In der Werbung wünschen sich die jungen Fahrer weniger Prahlereien mit der PS-Zahl, sondern Informationen über die Umweltverträglichkeit, die Fahrsicherheit und auch zum schönen Design des Fahrzeugs.

Den Teilnehmern der Jugendtagung versprach der Minister, sich weiterhin mit Kampagnen, Angeboten und Verkehrserziehung für die Sicherheit der 18- bis 24-jährigen Fahrer einzusetzen.
  

Welt-Verkehrssicherheitstag: 1000 Jugendliche sterben täglich
Täglich lassen weltweit mehr als 1000 Kinder und Jugendliche ihr Leben im Straßenverkehr.

In der Altersklasse 15 bis 19 Jahre stellen Verkehrsunfälle gar die häufigste Todesursache dar, bei den 20 bis 24-Jährigen und 10 bis 14-Jährigen die zweithäufigste. Steigende Motorisierung auf allen Kontinenten hat die Verantwortlichen der UN-Weltgesundheitsorganisation (WHO) schon 2004 wach gerüttelt. „Verkehrsunfälle sind kein Zufall. Wir müssen die Idee bekämpfen, dass Verkehrsunfälle unvermeidlich sind und einen dynamischen und präventiven Weg einschlagen, um die Zahl der Verkehrstoten zu verringern,“ rief die Generaldirektorin der WHO, Dr. Margaret Chanu zu einer weltweiten Mobilisierung auf.
Den ersten „Welt-Verkehrssicherheitstag“ widmet die UNO am 27.April 2007 der Risikominderung im Straßenverkehr für Menschen unter 25 Jahren, da 27% aller Todesfälle in dieser Altersgruppe auf das Konto des Straßenverkehrs gehen.
Während in reichen Ländern die meisten Todesfälle unter Autofahrern und -beifahrern zu beklagen sind, verunglücken in weniger entwickelten Erdteilen vor allem Fußgänger, Rad- und Motorradfahrer sowie Benutzer öffentlicher Verkehrsmittel. 90% der weltweit 1,2 Millionen Verkehrstoten entfallen dabei auf Länder mit niedrigem Einkommensniveau.
Die höchste Sterblichkeit auch unter Jugendlichen weisen Afrika, die westliche Maghrebzone und Südostasien auf, wo sich motorisierter Straßenverkehr, Fahrräder, Fußgänger und Tiere den knappen Straßenraum teilen müssen.

Verkehrserziehung, Geschwindigkeitsbeschränkungen, die Einrichtung von Markierungen für Fußgänger, das Tragen von Helmen und der Kampf gegen Alkohol im Verkehr sind in diesen Ländern noch keine Selbstverständlichkeit und daher Ziel der WHO-Kampagne.
Mangelnde Rettungsdienste bzw. Rehabilitationseinrichtungen werden als weiterer Grund für die hohe Sterblichkeitsrate im Straßenverkehr genannt.
Vorrangige Zielgruppen der WHO-Kampagne sind Erwachsene mit Vorbildfunktion und männliche Jugendliche, die mit 89 902 Todesfällen pro Jahr (20 bis 24 Jahre) die gefährlichste und am meisten gefährdete Gruppe darstellen. Der Bericht der WHO findet sich im Internet unter
http://www.who.int/violence_injury_prevention/publications.
    



Autoverkäufe 2007 in der EU leicht rückläufig 
 
Die Autoindustrie schließt das erste Trimester 2007 mit einem leichten Rückgang der Neuzulassungen um 0,4% im Europa der 27 Mitgliedsstaaten.  

1,1% weniger Zulassungen in West-Europa stehen 13,8% mehr Neuwagen im östlichen Europa gegenüber.
In Deutschland wurden nach Angaben der ACEA in den ersten drei Monaten des Jahres 10% weniger Autos neu zugelassen als im ersten Trimester 2006, gefolgt von Finnland (— 8,2%), Belgien (— 7,8%) und Dänemark
 (— 6%).
Starke Zuwächse waren wie im Vorjahr in den baltischen Staaten zu verzeichnen sowie in Polen (+ 24,5%) und den neuen Mitgliedstaaten Bulgarien (+ 28,2%) und Rumänien (+ 17,1%).
Die VW-Gruppe konnte ihre Spitzenposition auf 18,9% Marktanteil verbessern und schließt das erste Trimester mit einem leichten Plus von 0,1% in ganz Europa (inklusive EFTA-Staaten).
Der Negativ-Trend französischer Marken hält hingegen weiterhin an: — 1,1% verzeichnen Peugeot/Citroën, — 9,6% Renault/Dacia.
Fiat konnte durch einen Mehrumsatz von 6,4% gegenüber dem ersten Trimester 2006 mit Renault gleichziehen und hält 8,3% Marktanteil.
Im Aufwärtstrend liegen dieses Jahr nicht nur Toyota (+ 12,9% mit 6,2% Marktanteil), sondern auch GM/Opel (+ 0,8%) und Ford (+ 2,4%).