Verkehrssichere Gestaltung der (Schul-) Bushaltestelle "Friedhof", Kuseler Straße in Steinbach

Eine Konzeption unseres Mitgliedes Ralf Linke

Kinder sind keine kleinen Erwachsenen. Von ihnen kann kein fehlerfreies Verhalten im Straßenverkehr erwartet werden. Kinder brauchen deshalb besonderen Schutz !

Am Mittwoch, dem 15.03.2006 wurde im Rahmen der Sitzung des Ortsrates Steinbach die Situation an der Bushaltestelle Friedhof von Herrn Michael Pinkawa und mir angesprochen. Hierbei wurden die Gefahren auf Grund der Lage und Verkehrssituation der Haltestelle, insbesondere für verkehrsschwache Personen (Kinder und ältere Menschen) dargelegt. So wird die an einer Verkehrsstraße liegenden Haltestelle seit Beginn des Schuljahres erstmals von Grundschülern frequentiert. Der Ortsvorsteher von Steinbach - Herr Kurt JOHN - schlug daher vor, zu o.a. Problematik ein Konzept zu erstellen. Hierbei erhielt er vom Ortsrat Zustimmung. Herr Pinkawa und ich erklärten uns hierzu bereit.


Nachfolgend aufgeführte Maßnahmen sollten bis zu Beginn des nächsten Schuljahres 2006/07 im Herbst 2006 umgesetzt werden.




Quellen

Todeswahrscheinlichkeit bei Fußgänger, Studie der Beratungsstelle für Unfallverhütung (bfu) in der Schweiz.
Schreiben Landrat Neunkirchen - Straßenverkehrsbehörde - vom 21.10.2005, AZ: 36.12.02-Mo./Sch., Sachbearbeiter Herr Model
Der Mensch als Maß der Dinge oder wie viel Platz dürfen Fußgänger haben ?, Dipl-Ing. Andreas Schmitz - Planungsgruppe Nord Kassel
Statistik-Info zum Schülerunfallgeschehen 2004, Bundesverband der Unfallkassen
Richtlinien für die Anlage und Ausstattung von Fußgängerüberwegen (R-FGÜ 2001, VkBl. 2001, 474 ff
Anforderungskatalog für Kraftomnibusse (KOM) und Kleinbusse (Pkw), die zur Beförderung von Schülern und Kindergartenkindern besonders eingesetzt werden. Merkblatt für die Schulung von Fahrzeugführern für die Beförderung von Schülern, VkBl. 2005, 604 ff
Straßenbreite und Verkehrsfluss, Ruhr-Universität Bochum, Uni-Protokolle, vom 09.08.1996 Nr. 141 (
www.uni-protokolle.de)
Schulwegsicherung - Schutz für unsere kleinen Mitbürger in Die Polizei 1996, Heft 6
Konrad Pfundt in Handbuch der verkehrssicheren Straßengestaltung
Wohin geht die Fahrt ? Kinder und Verkehr - Probleme und Lösungen, Dr. Klaus Kühne.
Kinder im Straßenverkehr, Dr. Rita Bourauel
Unfallstatistik des Bundes, Statistisches Bundesamt
Unfallstatistik der saarländischen Polizei
Straßenverkehrs-Ordnung (StVO) sowie die Verwaltungsvorschrift zur StVO (VwV-StVO)
Saarländisches Straßengesetz (SaalStrG)



 

Ausgangslage/Ist-Situation/Analyse


Bedeutung der (Schul-) Bushaltestelle “Friedhof”


Die Bedeutung der Haltestelle nahm mit Umsetzung der Grundschulreform zu Beginn des Schuljahres 2005/06 deutlich zu. So wird diese nun nicht nur von Schülern weiterführender Schulen, sondern auch von einer in Zukunft steigenden Zahl Grundschülern genutzt. Außer den Schulkindern suchen auch älterer Menschen die Haltestelle auf, um mit dem Bus zu dem Friedhof am Ortsrand zu gelangen.

Unabhängig hiervon ist mit einem Zuwachs von Fahrgästen zu rechnen, da die Infrastruktur im Ort sich stetig verschlechtert und daher etliche Erledigungen außerhalb des Ortes besorgt werden müssen. Ebenso steigen konstant die Kosten für die Nutzung eigener Fahrzeuge, so dass der öffentliche Personennahverkehr (öPNV) permanent an Attraktivität gewinnt.


Verkehrssituation Kuseler Straße


a. Verkehrsbelastung
Die Kuseler Straße ist eine Landstraße (L 288) II. Ordnung und dient in Steinbach dem Anlieger-, Quell- und Durchgangsverkehr und ist daher als Verkehrsstraße einzuordnen. Die durchschnittliche Verkehrsbelastung wird mit 2050 KfZ/24# h angegeben. Die Belastungszahlen zu den kritischen Zeiten (Schulbeginn und Schulschluss) sind nicht bekannt.
Unabhängig hiervon ist bei einer hohen Belastung die Wahrscheinlichkeit eines Unfalles größer und bei einer geringen Belastung die Schwere der Unfallfolgen schlimmer, da bei einer geringeren Belastung grundsätzlich schneller gefahren wird.


b. Tatsächliche Durchschnittsgeschwindigkeit
Generelle Erkenntnis aus Geschwindigkeitsmessungen ist, dass bei erlaubten 50 km/h die tatsächliche Durchschnittsgeschwindigkeit 67 km/h beträgt und bei 30 km/h immerhin noch 40 km/h.

c. Risiko für Fußgänger 
Setzt man dies mit einer Untersuchung der Schweizerischen Beratungsstelle für Unfallverhütung zur Kollisionsgeschwindigkeit  von Fahrzeugen und dem Tötungsrisiko für Fußgänger  in Bezug, dann ergibt sich folgendes:


Das Tötungsrisiko für Fußgänger kann durch eine Geschwindigkeitsreduzierung von 50 km/h
auf 30 km/h also um zwei Drittel reduziert werden !


d. Ergebnis

Auf Grund der

“ortsüblich” gefahrenen Geschwindigkeit und dem hieraus resultierenden hohen Tötungsrisikos für Fußgänger,

der geringen Gehwegbreite,

der fehlenden Aufstellfläche an der Haltestelle

und dem Umstand, dass seit Beginn  des Schuljahres 2005/06 auch Grundschüler mit dem Schulbus fahren,

besteht eine veränderte und erhöhte Gefahrenlage an der Bushaltestelle “Friedhof“. Diese erhöhte Gefahrenlage, welche das allgemeine Risiko erheblich übersteigt, kann von aufmerksamen Kraftfahrzeugführern auf Grund fehlender Beschilderung und Hinweise auf den Schulbusverkehr nicht rechtzeitig erkannt werden.



Entfernen der Haltestelle

Vereinzelt wurde angedacht das Problem mit dem Entfernen der Haltestelle zu lösen. Tatsächlich würde dies jedoch nur zur Problemverschiebung und zur Erhöhung der Gefahr für die betroffenen Kinder führen, wie nachfolgend dargelegt wird.

Ohne die Haltestelle, müssten die Kinder die Haltestelle “Dorfbrunnen” in der Ortsmitte aufsuchen. Die Gefahr beim Überqueren der Fahrbahn würde hierdurch nicht beseitigt, sondern nur in Richtung Ortsmitte verlagert.
Auch das Passieren der Durchgangsstraße im Bereich des Fußgängerüberweges in Höhe der Kirche wäre sehr heikel. Denn so sinnvoll ein “Zebrastreifen” zum Schutze des Überquerens für erwachsene Fußgänger sein kann, so untauglich ist dieser für den Schutz verkehrsunerfahrener Grundschüler. So ist für Kinder das Vorrangverhältnis zwischen Fahrzeug und Fußgänger an Fußgängerüberwegen oft unklar, so dass eine “Abstimmung” erfolgen muss, womit Kinder im Grundschulalter überfordert sind. Grundschüler können auch noch nicht Abstände, Geschwindigkeiten und Entfernungen abschätzen oder ihre Überquerungsabsicht deutlich machen. Außerdem reagieren Kinder dieser Altersgruppe grundsätzlich spontan und unterliegen regelmäßig dem Trugschluss, dass am “Zebrastreifen” alle Fahrzeuge halten und ihnen beim Überqueren der Fahrbahn nichts passieren kann#. Kinder sind allerdings - so sind sich Verkehrspädagogen und Kinderärzten einig - erst zwischen 8 und 10 Jahren in der Lage, als Fußgänger sicher und konzentriert am Straßenverkehr teilzunehmen#.
Die Beseitigung der Haltestelle “Friedhof” würde dazu führen, dass sich der Weg der im Straßenverkehr unerfahrenen Grundschüler mindestens verdoppelt. Sie müssten Gehwege nutzen, die an etlichen Stellen nicht mal 50 cm breit sind, wie das nachfolgende Foto beispielhaft dokumentiert.
Gefährlich ist dies insbesondere zur Winterzeit bei Schnee aber auch bei Begegnungsverkehr mit Rollstuhlfahrer, Kinderwagen und radfahrenden Kindern. Würde die Haltestelle wegfallen, müsste der Gehweg auf beiden Seiten daher auf mindestens 2,00 Meter verbreitert werden#. Unabhängig vom Sicherheitsaspekt wäre solch eine bauliche Maßnahme weitaus teurer als die Schutzmaßnahmen, die in dieser Konzeption vorgeschlagen werden.

Das größte Problem wäre aber, dass ca. 50 Grundschüler plus Schüler weiterführender Schulen an der selben Haltestelle auf die Schulbusse warten. Dies würde noch stärker als bisher bei den wartenden Kindern zu Rangeleien, vordrängen, schubsen, auf die Fahrbahn laufen etc. führen. Hierdurch würden die gleichen akutgefährlichen Verhältnisse wie in der Seminarstraße in Ottweiler verursacht.
Nicht unerwähnt bleiben darf, dass die Haltestelle “Friedhof” von einer weiteren Gruppe verkehrschwacher Personen, nämlich den älteren Bürgern benutzt wird. Ohne die Haltestelle müssten diese den beschwerlichen Weg bergauf aus dem Dorf zum Friedhof am Ortsrand zu Fuß bewältigen.
Ferner ist es ohnehin verkehrspolitisch gewollt die Zahl der Benutzer öffentlicher Nahverkehrsmittel zu erhöhen, um den Individualverkehr zu verringern. Daher ist jede einzelne Haltestelle im Ort von besonderer Bedeutung.

Im Ergebnis kann festgestellt werden, es besteht ein steigender Bedarf und ein großes Interesse an einer sicheren Haltestelle “Friedhof”.
Folglich ist es notwendig, dort bestehende Gefahren zu beseitigen.



Gefahrenanalyse

Diese Gefahren stellen sich im Einzelnen wie folgt dar:

a. Die Haltestelle ist nicht als Schulbushaltestelle ausgewiesen.

b. An der Bushaltestelle gibt es keine Querungshilfe für Fußgänger.

c. Die Gehwegbreite und Aufstellfläche beträgt ca. 1,30 Meter und ist daher zu schmal.


d. Es fehlen Gefahrenzeichen (Zeichen 136 StVO) bzw. sonstige Hinweise auf das Vorhandensein verkehrsschwacher Fußgänger. Dies ist insbesondere auch deshalb von Bedeutung, weil die Gefahrenstelle knapp 100 Meter vom Ortsbeginn entfernt ist.


e. Die erlaubte Geschwindigkeit von 50 km/h ist zu hoch.




Rechtliche Faktoren


Sachlich zuständig für verkehrspolizeiliche Anordnungen ist gem. § 44 StVO die Straßenverkehrsbehörde des Landrates Neunkirchen.

Für die Beschaffung, Anbringung und Unterhaltung der Verkehrszeichen und -einrichtungen ist gem. § 45 V StVO  der Baulastträger verpflichtet.

Gem. § 46 I des Saarländischen Straßengesetzes (SaarlStrG) ist bei Landstraßen II. Ordnung das Land Träger der Straßenbaulast.

Gem. § 47 II SaarlStrG ist jede Gemeinde Träger der Straßenbaulast für Gehwege.

Gem. § 45 IX StVO sind Verkehrszeichen und -einrichtungen nur dort anzuordnen, wo dies auf Grund der besonderen Umstände zwingend geboten ist. Beschränkungen für den fließenden Verkehr dürfen nur angeordnet werden, wenn der Grund der besonderen örtlichen Verhältnisse eine Gefahrenlage besteht, die das allgemeine Risiko einer Beeinträchtigung der in den vorstehenden Absätzen genannten Rechtsgüter erheblich übersteigt.

Gem. § 45 IX StVO dürfen Gefahrenzeichen dort angebracht werden, wo es für die Sicherheit des Verkehrs erforderlich ist, weil auch ein aufmerksamer Verkehrsteilnehmer die Gefahr nicht oder nicht rechtzeitig erkennen kann und auch nicht mit ihr rechnen muss.



Quervergleiche

a. Im Gegensatz zu den Bushaltestellen in Steinbach ist im Maria-Juchacz-Ring gegenüber der Johann-Wichern-Straße eine Haltestelle als Schulbushaltestelle ausgewiesen.


b. “Hänsel und Gretel” und Tempo 30 als Fahrbahnmarkierungen sind z.B. in der Ringstraße in Neunkirchen angebracht. Besser ist die Lösung in der Talstraße in Neunkirchen (Foto unten). Hier ist zusätzlich das entsprechende Gefahrenzeichen angebracht und Tempo 30 km/h angeordnet.

c. Auf Grund der Klage besorgter Eltern aus Ottweiler wurde vom Landkreis Neunkirchen - Straßenverkehrsstelle - am 30.11.2005 eine verkehrspolizeiliche Anordnung erlassen, um das Überqueren der Illinger Straße für Grundschulkinder sicherer zu gestalten.