Motorrad-Sicherheits-Training

Für viele beginnt nun die Motorradsaison. Einige hatten ihr geliebtes Bike über die Wintermonate abgemeldet, andere sind trotz zugelassenem Motorrad witterungsbedingt sehr wenig oder gar nicht gefahren. Doch wie sieht es mit der Sicherheit aus? Gut gerüstet lässt es sich gleich viel entspannter fahren und der Spaßfaktor steigt ungemein!
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Ich selbst nehme seit 6 Jahren regelmäßig an einem Sicherheits-Training (SHT) - seit 4 Jahren bei der Landesverkehrswacht Saar - teil. Nicht, dass ich in all den Jahren „unbelehrbar" war und deshalb wiederholt am SHT teilnehme. Nein - ich bin der Auffassung, dass es von Vorteil ist, sich durch einen erfahrenen Instruktor an die beherrschbaren Grenzen der Fahrphysik und dadurch an verkehrskritische Situationen heranführen zu lassen. Denn hier werden Verkehrsereignisse trainiert denen man hoffentlich im ganzen Jahr nicht begegnet. Um dennoch eine solch kritische Gegebenheit im Ernstfall optimal zu meistern, dient das SHT.sht
Sicher könnte man hier einwenden: „Da fahre ich halt mal auf einen freien Parkplatz und trainiere das selbst.“ Doch Hand auf's Herz – dass macht doch keiner! Außerdem sind sie auf dem Parkplatz nicht Vollkasko versichert – beim SHT schon – und das, ohne dass sich ihr Schadensfreiheitsrabatt negativ ändert.

 

Im November 2005 ereilte dann auch mich das „Unglück" in Form einer links abbiegen PKW-Fahrerin, die mich offensichtlich durch starke Sonnenblendung nicht gesehen hat. Ich war (sicherlich auch durch das SHT) in der Lage, so weit nach links auszuweichen, dass ich lediglich mit einer Rahmenstrebe und meinem rechten Schienbein mit der Heckschürze ihres Autos kollidierte, die dadurch komplett abriss. Noch mehr nach links zu ziehen war wegen des fließenden Gegenverkehrs nicht möglich. Dank Protektoren in Hose und Stiefel, erlitt ich nur einen leichten Bluterguss unter dem Knie; mein Motorrad war leider Totalschaden. Hört sich jetzt vielleicht immer noch schlimm an. Doch hätte ich nicht sofort richtig reagiert, wäre der Crash sicherlich in die Beifahrertür gegangen. Ob ich mich dabei vom Motorrad hätte lösen können um über den PKW den „Abflug" zu machen, oder ob ich im, schlimmsten Fall, mit dem Kopf gegen die Dachkante geprallt wäre, möchte ich mir nicht weiter ausmalen.

Wie der Name schon sagt, handelt es sich beim SHT nicht um einen Lehrgang - einmal gemacht und dann ist man perfekt - sondern um ein Training. Das Trainieren bestimmter Fahrsituationen soll dazu dienen, Reaktionsweisen quasi als "Programm" bei Fahrer/in "abzulegen", damit es, wenn benötigt, sofort abrufbar ist. Viel Sicherheitspotential hat man mit dem Motorrad nicht. Eine der besten Möglichkeiten, wenn auch nicht immer möglich, ist das Ausweichen, da man mit dem Motorrad nicht so viel Platz für einen „Fluchtweg“ braucht. Wenn der/die Fahrer/in in einer kritischen Situation erst überlegen muss, was zu tun ist (Situation erkennen, Fluchtweg suchen, bremsen, gleichzeitig auskuppeln, Bremse lösen, dem Hindernis ausweichen, ggf. Bremsung fortsetzen etc.) ist es meist schon zu spät, da es hier oft nur um Bruchteile von Sekunden geht. An dieser Stelle sei mir eine Buchempfehlung gestattet: "Die obere Hälfte des Motorrads", Autor: Bernt Spiegel. Der Autor geht in diesem Buch sehr anschaulich auf das Thema Motorradfahren in Zusammenhang mit Gedanken- und Reaktionsabläufen als „Programme im Gehirn" ein. Man(n)/Frau wird beim Lesen mit Sicherheit den ein oder anderen „AHA-Effekt" erleben.

Die Landesverkehrswacht Saar bietet in jedem Jahr mehrere Termine zum SHT für Motorrad (auch für PKW) an. Die Kosten hierfür betragen 65,- Euro ( 50,- Euro für Mitglieder der saarländischen Verkehrswachten).

Fragen Sie doch mal bei dem Sicherheitsbeauftragten ihres Arbeitgebers an!

 

Wenn sie das Motorrad auch zur Fahrt von zu Hause zur Arbeitsstätte nutzen, haben die Berufsgenossenschaften ein Interesse daran, dass sie an einem SHT teilnehmen. Denn erleiden sie auf diesem Weg einen Unfall, muss die Berufsgenossenschaft für die Heilbehandlungskosten aufkommen. Manche Berufsgenossenschaften übernehmen die Teilnahmegebühr komplett, andere zahlen einen nicht unerheblichen Zuschuss. Informieren Sie sich einfach.
Ein Gutschein für die Teilnahme an einem SHT ist auch ein schönes und sinnvolles Geschenk.

 


Am 29.04.2007 nehme ich selbst mit ein paar Bekannten an einem Motorrad-SHT teil, bei dem noch Plätze frei sind. Interesse? Einfach eine Mail an mich (oder per Tel.: 06821/983147), oder wenden Sie sich direkt an die Landesverkehrswacht Saar.

 

Für weitere Termine fragen sie bitte ausschließlich bei der Landesverkehrswacht Saar an.


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Udo Harms