Verkehr AKTUELL – 4/2007


Heute mit folgenden Themen: 

 

  • Französische Führerscheinpunkte - wer bietet mehr?
  • Bahnstreik: Rechte für betroffene Bahnreisende
  • Jeder elfte Neuwagenkäufer ist über 70 Jahre alt
  • Studie: Frauen bei der privaten Autonutzung im Nachteil
  
 Mit freundlicher Unterstützung des ARCD, Auto- und Reiseclub Deutschland, www.arcd.de



 
  Französische Führerscheinpunkte - wer bietet mehr?   Schwunghafter Handel mit Führerscheinpunkten via Internet stellt die französischen Behörden vor neue Herausforderungen. Führerscheinbesitzer, die wenig oder betont diszipliniert fahren, bieten via Internet ihre Führerscheinpunkte zum Verkauf an - die Angebote variieren von 250 bis 650 Euro pro Punkt. Kommt der Deal zustande, so lässt sich der „Verkäufer" als Lenker des Fahrzeuges, das bei einer Radarkontrolle zu schnell unterwegs war, ausgeben und nimmt den Abzug von drei Punkten auf seinem Lappen in Kauf. Diese Strategie war laut Berichten von „Le Monde" und „Le Parisien" bislang nur im Familienkreis verbreitet: Wohlwollende Tanten oder autolose Großeltern sprangen für den rasenden Junior in die Bresche, dem der Führerscheinentzug nach Verlust der letzten von 12 Punkten drohte. Allzu auffällige Ungereimtheiten wie jene einer Großmutter, die angeblich mit 200 km/h um 5 Uhr morgens in Nähe einer Disco ‚geblitzt' worden war, machen jedoch auch die Behörden hellhörig. Theoretisch setzt sich der freiwillige „Punkte-Vergeber" einer Strafe von 1500 Euro und einer Anzeige wegen Falschaussage aus, die mit Gefängnisstrafen enden kann. Praktisch kommt es jedoch nicht dazu. „Geschwindigkeitsübertretungen werden automatisch und en masse behandelt, und es ist unmöglich, allen verdächtigen Fällen nachzugehen," hieß es aus dem Pariser Innenministerium. Man hofft, dass die neue französische Regierung Vorschläge für neue Durchführungsbestimmungen erarbeitet, um derlei Selbst-Bezichtigungen einen wirksamen Riegel vorzuschieben.  


 Bahnstreik: Rechte für betroffene Bahnreisende 
Mit dem Streik der in der GDL organisierten Lokomotivführer gegen die Bahn AG ist frühestens ab August, zurechnen. Er kann viele Bahnreisende, vor allem bei einer Eskalation, empfindlich treffen. Aktuelle Informationen über den Zugverkehr erhält der Kunde im Internet unter www.bahn.de/aktuell oder über die kostenlose Service-Nummer 0800-996633 rund um die Uhr. Wer bereits eine Fahrkarte gekauft hat, kann sie kostenlos umtauschen oder sich das Geld erstatten lassen, wenn der Zug wegen des Streiks ausfällt oder Verspätungen die Fahrt verhindern. Zeitkarten sind von dieser Regelung ausgenommen, für sie gelten die üblichen Umtausch- und Erstattungsbedingungen. Der Reisende kann aber auch auf die Weiterfahrt verzichten und unentgeltlich mit dem nächsten Zug zum Ausgangsbahnhof zurückkehren. Wer seinen Anschlusszug verpasst, darf laut Bahn unter Umständen in den nächstmöglichen Zug steigen, auch wenn man für eine höherwertige Verbindung nicht die entsprechende Fahrkarte besitzt. Dieser Hinweis ist vor allem für Kunden mit einem Ticket zum Dauer-Spezial-Preis oder zu anderen Sparpreis-Bedingungen wichtig. Die Reisenden sollten aber laut Bahnsprecher Achim Stauß auf die Durchsagen im Bahnhof achten. Wer nach Mitternacht wegen eines verpassten Anschlusszuges nicht weiterkommt, kann von der Bahn die Erstattung der Kosten für ein Taxi oder eine Übernachtung in einem Hotel verlangen. Der Auto- und Reiseclub Deutschland (ARCD) rät betroffenen Reisenden, Fahrkarten und Belege über Sonderausgaben sorgfältig aufzubewahren und sich Zusagen des Bahnpersonals bei Nutzung teurer Verbindungen schriftlich bestätigen zu lassen, um Beweismittel bei Forderungen an die Bahn zu haben. Kosten für verpasste Urlaubsflüge oder gebuchte Hotelzimmer wegen Streckenstornierungen oder Verspätungen übernimmt die Bahn mit Hinweis auf den Streik als höhere Gewalt nicht. 


 
  Jeder elfte Neuwagenkäufer ist über 70 Jahre alt 
Jüngere und ältere Senioren sind inzwischen beim Neuwagenkauf eine wichtige Zielgruppe. Jeder elfte Neuwagenkäufer in Deutschland ist über 70 Jahre alt, und die Hälfte aller Halter fabrikneuer Pkw sind 50 Jahre und älter, wie das Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) mitteilt. Hingegen geht der Anteil der privaten Fahrzeughalter insgesamt am Neuzulassungsmarkt seit Jahren zurück. Im Jahr 1995 war der Anteil der privaten Neuanschaffungen mit 62,1 Prozent gegenüber den gewerblichen Käufen (37,9 Prozent) noch deutlich höher. Im 1. Halbjahr 2007 ergibt sich ein vollkommen anderes Bild: Die privaten Neuwagenkäufer sind mit 37,6 Prozent Anteil an den Neuwagenzulassungen gegenüber den gewerblichen Kunden (62,4 Prozent) deutlich in der Hinterhand. Bei den gewerblichen Pkw-Neuzulassungen dominieren zunehmend Kfz-Handel (20,9 Prozent) und Kfz-Vermietungsbetriebe (8,8 Prozent). Als so genannte Tageszulassungen bringt der Handel fast fabrikneue Fahrzeuge auf den Markt. Die Flottenfahrzeuge der Autovermietungen werden als relativ neuwertige Gebrauchtfahrzeuge verkauft. Bei den Gebrauchten liegt der private Käuferanteil laut KBA bei 95,1 Prozent. Nur 4,9 Prozent der gewerblichen Käufer entscheiden sich für Fahrzeuge aus dieser Kategorie.  


  Studie: Frauen bei der privaten Autonutzung im Nachteil 
Frauen nutzen für private Fahrten häufiger den öffentlichen Nahverkehr als Männer. Zudem ist ihr Nutzungsverhalten stärker von Faktoren wie der Verfügbarkeit eines Autos, der Nähe zur nächsten Haltestelle eines öffentlichen Verkehrsmittels und der Anzahl der Kinder abhängig. Zu diesen Ergebnissen kommt eine aktuelle Studie des Rheinisch-Westfälischen Instituts für Wirtschaftsforschung (RWI) in Essen. Während Frauen von durchschnittlich 6,5 Kilometern Wegstrecke täglich 4,3 Kilometer für nicht berufliche Fahrten mit dem Auto bewältigen, sind es bei Männern 4,7 von 5,5 Kilometern. Grundsätzlich steigert die Verfügbarkeit eines Autos die Wahrscheinlichkeit nicht beruflich bedingter Fahrten. Ist der Weg zur nächsten Haltestelle von öffentlichen Verkehrsmitteln relativ weit, wird ebenfalls häufiger das Auto benutzt. Beide Effekte sind bei Frauen stärker zu beobachten als bei Männern. Auch die Anzahl der Kinder beeinflusst das Fahrverhalten. Mit ihnen steigt die Wahrscheinlichkeit für nicht berufliche Autofahrten. Die Ergebnisse legen nahe, dass hauptsächlich Mütter als „Mama-Taxi" die Fahrdienste für ihre Kinder übernehmen. Ein anderes Ergebnis aus der Studie: Sind die Autos knapp, setzen sich meist die Männer als Nutzer durch. Wenn die Zahl der Autofahrer in einem Haushalt größer als die Zahl der verfügbaren Autos ist, nimmt die Wahrscheinlichkeit ab, dass Frauen private Fahrten mit dem Auto durch-
führen.

Auch das Alter beeinflusst das private Fahrverhalten von Frauen und Männern unterschiedlich stark. Bei beiden Geschlechtern nimmt mit zunehmendem Alter die Wahrscheinlichkeit nicht beruflicher Fahrten erst zu und dann wieder ab. Frauen erreichen die höchste Nutzungswahrscheinlichkeit mit durchschnittlich 42 Jahren, Männer erst mit 55 Jahren. Die Ergebnisse der Untersuchung legen nahe, dass Frauen von einem Ausbau des öffentlichen Nahverkehrs stärker profitieren würden, weil sie diesen stärker nutzen. Laut Kraftfahrzeug-Bundesamt (KBA) sind inzwischen 31,2 Prozent der Neuwagenkäufer Frauen.